Sonnenmondfinsternisstern

Im Verlag für Moderne Phantastik ist der Science-Fiction-Kurzgeschichtenband Die Magnetische Stadt erschienen. Mit dabei ist meine Story Sonnenmondfinsternisstern. Weitere Autoren der Ausgabe sind Matthias Falke, Frank Lauenroth, Peggy Weber, F. Anderson, Regina Schleheck, Christian Unverzagt, Adriana Wipperling, Gerd Frey, Wilko Müller, Michael Stappert, Christoph von Zastrow und Rico Gehrke. Die Geschichten entführen den Leser tief in den Raum, zurück in die Vergangenheit oder weit in die Zukunft. Dort trifft er auf Irdische und Außerirdische aller Art, machtbesessene Androiden, seltsame Visionen, trügerische Welten und vieles mehr.



Hier eine Leseprobe aus meiner Geschichte:

Sonnenmondfinsternisstern

...

Logbuch E.S.S. Tynwald, Borddatum 2342-04-22, Bordzeit 11:50 Uhr:
Logbucheinträge von Mutterschiff und Shuttle synchronisiert. Gesamte Besatzung auf PH1-Mond gelandet. Kein Kontakt zum Bodenteam möglich.
Kdt. S .K.

Das Landegebiet des Shuttles lag ein Stück abseits der Sendestation. Sie ragte als bizarres Gebilde vor ihnen auf, ein Kuppelbau mit zahlreichen, kompliziert aufgebauten Turmkonstruktionen. Sie hatten bei ihrem ersten Besuch vermutet, dass dies die eigentlichen Antennen waren. Doch das Prinzip hatten sie nicht verstanden. Ted war so fasziniert gewesen, dass er den Sender unbedingt reparieren wollte. Suri sah noch das freche Grinsen in seinem mit Sommersprossen übersäten Gesicht vor sich, als er darauf bestand zu bleiben.
  Der Mond hatte eine hohe Ozonkonzentration in der unteren Atmosphäre, die deshalb für Menschen nicht atembar war. Das wussten sie durch die erste Landung hier. Doch im Inneren der Station war die Atmosphäre erdähnlich. Um die Distanz zwischen Shuttle und Station zu überwinden, mussten sie ihre Raumanzüge anziehen. Sie bestanden aus hautengem, elastischem Latex, in das Nanokunststoffplatten eingebettet waren, zum Schutz vor Mikrometeoriten und Sonnenstrahlung. Die Kluft verhinderte zudem die Expansion des Körpers ihres Trägers, ohne unter Druck von außen zu stehen. Dadurch wurde größtmögliche Beweglichkeit erreicht. Nur der Helm war unter Druck gesetzt. Über dem flachen Sauerstoffbehälter hatten sie noch Rucksäcke mit Verpflegung und Ausrüstung.
  »Oh Mann!«, hörte Suri Roarys Stimme durch das Intercom.
Er war hinter der Gruppe zurückgeblieben und betrachtete fasziniert den Horizont hinter der Station. Die ganze wüstenähnliche Landschaft war in tiefes Rot getaucht. PH1 schob sich langsam über den Horizont nach oben. Der gewaltige Gasplanet war sechsmal größer als die Erde. Schräg über ihm waren vier Fixsterne zu sehen. Zwei eng beieinanderliegende Sonnen besaßen etwa ein Viertel der Größe des Erdmondes. In einigem Abstand, aber schon fast von PH1 verdeckt, gab es eine große, helle Sonne ähnlich jener der Erde. Davor, wie ein Sonnenfleck, war noch eine kleinere, rötliche Sonne mit geringer Helligkeit auszumachen.
  Auch Suri, Jake und Denise blieben nun stehen und ließen das außergewöhnliche Schauspiel auf sich wirken. PH1 stieg wie eine gigantische schwarze Scheibe am Horizont auf und schob sich unaufhaltsam vor die Licht spendenden Fixsterne. Zuerst verschwand die rote Sonne hinter dem Gasriesen. Dann wurde allmählich auch die große Hauptsonne verdeckt. Dies war vergleichbar mit einer Sonnenfinsternis auf der Erde. Nur dass hier kein Mond die Lichtscheibe verdeckte, sondern ein gewaltiger, fast den ganzen Himmel dominierender Planet. Sie konnten seinen schwarzen Schatten auf der roten Mondoberfläche unaufhaltsam näher kriechen sehen. Es waren Gebirge zu erkennen, doch nirgendwo ein Anzeichen von Tieren oder Pflanzen. Mit einem letzten Aufblitzen bäumte sich die Sonne gegen ihr Verschwinden auf. Schließlich wurden die Mondoberfläche und die vier Menschen darauf in Dunkelheit gehüllt. Die Taggrenze auf dem Wüstenboden entfernte sich unaufhaltsam von ihnen. Suri hatte das Gefühl, die Kälte, die sich draußen ausbreitete, durch den Raumanzug spüren zu können. Der weiter entfernt liegende Doppelstern war noch eine ganze Weile zu sehen, spendete aber nicht genug Licht, um den Einbruch der Nacht zu verhindern.
  »Lasst uns reingehen«, entschied Suri.
  »Ja«, entgegnete Jake, »der Wind nimmt auch stetig zu. Es scheint sich ein Sturm anzubahnen.«
  In diesem Moment erhellte ein Blitz die Mondlandschaft. Es dauerte nur einen Sekundenbruchteil, doch die Menschen auf dem fremden Himmelskörper zuckten überrascht zusammen. Der Blitz formierte sich über den antennenartigen Türmen des bizarren Bauwerks zu einem breiten blauen Strahl, der wie ein Schwert senkrecht in den Himmel stach.
  »Was ist das?«, fragte Jake.
  »Keine Ahnung. Vielleicht das Signal, das Ted geknackt hat«, meinte Suri nachdenklich.
  Die vier Raumfahrer setzten sich wieder in Bewegung. Die Intensität des Lichtstrahls wurde schwächer, je näher sie dem Eingang der Sendestation kamen. Dann lag die Station wieder dunkel vor ihnen. Kein Lichtschein mehr, weder von außen noch von innen. Sie wirkte ausgestorben. Suri trat unwillkürlich näher an Roary heran und suchte seine Hand.
...


Wer wissen will, wie die Geschichte beginnt und endet, der kann sich das Buch gern hier bestellen. Ich würde mich freuen.




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