Die Faszination der Einsamkeit

Meine Geschichte Die Faszination der Einsamkeit konnte beim Schreib-Wettbewerb des Vereins zur Förderung der Raumfahrt 2013 den 3. Platz erringen und wurde deshalb im Jahrbuch Space 2014 abgedruckt.




Das Thema war: Ohne einen Raketenmotor ins All
Es ging um die Frage, welche Antriebe könnte man nutzen, um ohne die mehrstufigen chemischen Raketen in den Orbit zu gelangen? Die Autoren sollten keine Fantasy oder Utopien liefern, sondern sich Gedanken machen über den Stand der Technik und den Möglichkeiten, welches das Motto bietet.


 

Es folgt eine kleine Leseprobe aus der Geschichte.


Die Faszination der Einsamkeit



„Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“
  Nach einhundert Jahren – auf den Tag genau – stehe ich hier auf einer Mondlandschaft und darf diesen Satz sagen. Eine Welle der Erregung durchstreift meinen Körper. Ich bin stolz und zugleich nervös, wie ein Kind an seinem ersten Schultag. Die Jubelschreie der Milliarden von Menschen, die in etwa neunzig Minuten in den Erdäther schallen werden, kann ich nicht hören. Doch ich stelle mir vor, wie die Menschen vor ihren Flatscreens sitzen und dieses Ereignis miterleben. So muss es vor hundert Jahren gewesen sein, als Aldrin und Armstrong auf dem Mond landeten.
  Neben mir stehen Aja und Fin. Wir blicken auf eine atemberaubende Landschaft. Vor uns ein Reich aus Eis. Krater, wohin das Auge blickt. Hinter uns leuchtet die Sonne als großer Stern am schwarzen Himmel. Sie ist unendlich weit entfernt. Hinter der eisigen Kraterlandschaft steht ein gewaltiger Planet halb über dem Horizont – Jupiter. Die bunten Wolkenbänder von grau bis orange umhüllen leuchtend seine Oberfläche. Sein Großer Roter Fleck ist plötzlich zum Greifen nahe. Der größte Wirbelsturm unseres Sonnensystems. Und er existiert schon seit mindestens vierhundert Jahren. Ich fühle mich wie in einem Film, unreal, unwirklich. Kann es noch nicht richtig begreifen, dass ich wirklich hier stehe – hier auf Ganymed, dem größten Mond des Sonnensystems – und auf den größten Planeten unseres Sonnensystems blicke. Unvorstellbar, aber wahr.
  „Ich bin überwältigt“, rauscht Fins Stimme durch die Lautsprecher meines Helms.
  „Und ich bin sprachlos“, antwortet Aja neben mir.
  „Und ich fühle mich wie Michael Collins. Aber selbst von hier aus ist der Anblick einzigartig“, kommentiert auch Henrik das Schauspiel.
  Ich blicke nach oben und kann einen kleinen leuchtenden Punkt im Schwarz des Alls erahnen, der sich relativ schnell bewegt. Etwa einhundert Kilometer über uns zieht unser Forschungsschiff Apollo 21 seine Kreisbahn, in dem Henrik die Stellung hält. Auch Collins hatte damals bei der Mondlandung im Mutterschiff verharren müssen.
  Der Name unseres Schiffs soll an die erste bemannte Mondlandung vor einhundert Jahren durch die Apollo 11-Mission erinnern. Die 21steht für das 21. Jahrhundert und ist auch eine Weiterführung der ehemals 20 geplanten Apollo-Mondmissionen, von denen 17 durchgeführt wurden.
  Nun stehen wir hier, am Ziel. Doch wir hatten die Mission schon als gescheitert gesehen:

Ein leichtes Vibrieren ging durch den Lightcraft. Das kam vom Pulsieren des Lasers. Ich blickte durch das Fenster und sah die Bodenstation immer kleiner werden. Den Laserstrahl, der das atmosphärische Gas im Brennpunkt des reflektierten Strahls an der Unterseite unseres Fahrzeuges auf fast fünfundzwanzigtausend Grad Celsius erhitzte, konnte ich nicht erkennen, da er genau unter mir war.
  Mitten in der schwedischen Wildnis startete einmal täglich ein Pendler zum Mond, wie in vielen Gegenden der Erde. Hier in Esrange donnerten längst keine Raketen mehr in den Orbit, sondern Lightcrafts – Mondshuttle mit Parabolspiegel an der Unterseite zum Reflektieren eines Laserstrahls. Fast wie spitzhütige Quallen im Ozean schoben sie sich elegant ins All. Runde Schirme, glänzend und reflektierend. Anstelle der Tentakel ein Plasmakegel. Das Gas der Erdatmosphäre wird durch den Bodenlaser so stark erhitzt, dass es sich explosionsartig ausdehnt. Der Impuls wird größtenteils auf den Reflektor übertragen und somit das Fluggerät vorwärtsgetrieben. Zwischen zwei Laserimpulsen strömt neues, kühles Gas nach. Sobald das Fahrzeug die Atmosphäre verlassen hat und nicht mehr genug Gas vorhanden ist, wird eine mitgeführte Stützmasse zugeführt und übernimmt die Aufgabe. Dazu verwendet man meist ein Homopolymer. Dies ist ab ungefähr elf Kilometern Höhe der Fall.
...Wer Interesse hat, die Geschichte weiter zu lesen, kann sich das Jahrbuch hier bestellen. Ich würde mich freuen.